Gedicht des Monats

grünes Feld im Morgendunst

Sonnabendmorgen

Es treibt mich hinaus.
Halte es nicht mehr aus
im steinernen Haus!
Macht mir nichts aus
trüber Himmel und Windgebraus.
Muss endlich raus!

Zwei Wochen sind vergangen.
Arbeit hielt uns gefangen.
Konnten, trotz großem Verlangen
nicht hinaus gelangen.

Frühes Erwachen heut´.
Andere Leut´
schlafen aus.
Keine zehn Pferde bringen sie raus
aus samstäglicher Morgenruh´.
Machen noch einmal die Augen zu,
um sieben Uhr, zu früh erwacht,
und fallen nochmal sacht
zurück in die weiche Nacht.
Noch eine kleine Morgenweile
wunschloses Glück.
Haben heut keine Eile.
Und vielleicht kommt noch mal
ein schöner Traum zurück.

Hunger auf den Tag,
Hunger auf Licht.
Mag nun nicht
mehr warten, verweilen!
Will aufstehen, eilen,
will hinaus in ein weites Land,
will am Rand
einer Schonung steh´n,
will durch eine Niederung geh´n,
will blicken zum Horizont.
Und ist das Tal auch nicht besonnt,
und ist´s ein kühler bedeckter Tag:
Darauf verzichten mag
ich nicht und auch nicht Du.
Genug der Morgenruh´.
Komm, lass uns geh´n!
Wollen den neuen Tag beseh´n.

Wolfgang Prietsch, Berlin