Lernorte des Lebens
Lernorte des Lebens
Ob als Spiegelbilder der Geschichte oder der Gesellschaft, als ruhiges Beobachtungsfeld von Flora und Fauna oder als Hort der Kultur: Friedhöfe vermitteln auf vielfältige Weise facettenreiches Wissen. Sie sind hervorragende Lernorte kultureller Bildung – vor allem des Lebens und des Sterbens.
Was dies bedeutet, kann man hier vor allem Kindern mit ihrer unbefangenen Art bestens vermitteln. Zugleich sind Friedhöfe Ort des lebenslangen Lernens – bis ins hohe Alter hinein können wir hier immer wieder neue Erfahrungen über uns als Menschen sammeln wie sie andernorts kaum vermittelt werden.
Höchste Auszeichnung
Sie sind die höchste Auszeichnung unseres Landes: Trauerstaatsakte und Staatsbegräbnisse. Diese beiden Formen staatlichen Zeremoniells werden nur selten durch den Bundespräsidenten angeordnet. Sie sind Ausdruck höchster Würdigung einer Persönlichkeit des öffentlichen Lebens durch die Bundesrepublik Deutschland, die sich hervorragend um das deutsche Volk verdient gemacht hat.
Die Verdienste einer Person können auf politischem, kulturellem, wissenschaftlichem oder sozialem Gebiet liegen. Zu den Ritualen zählen unter andrem eine öffentliche Aufbahrug und Trauerdefilee, eine Totenwache oder das Spielen der Nationalhymne.

Nationales Gedächtnis
Die Geschichte der Bundesrepublik Deutschland steht heute für Demokratie und Freiheit, für Frieden und Weltoffenheit. Sie ist untrennbar mit den Leistungen großer Persönlichkeiten aus Politik und Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft verbunden. Unsere Friedhöfe halten die Erinnerung an diese Menschen wach – sie bilden eine nationale Gedächtnislandschaft und sind somit wichtiger Teil unserer Erinnerungskultur wie auf dem Alten Friedhof Bonn das Grab von Krebshilfe-Gründerin Mildred Scheel. Wenn man hierzulande von Erinnerungskultur spricht, hat man zumeist die Opfer der Schattenseite unserer Historie im mahnenden Blick. Das ist, wie sich gerade deutlich zeigt, unabdingbar wichtig. Die Friedhöfe veranschaulichen aber, dass auch ein positiver Blick zurück auf die Geschichte unseres Landes möglich ist.

Bedeutendes Welterbe
Sie sind Kulturzeugnisse ersten Ranges: Die Welterbe-Friedhöfe in Deutschland.
Gleich sieben tragen diese UNESCO-Auszeichnung, so viele Friedhöfe wie in keinem anderen Land der Welt. Herausragend sind dabei der „Heilige Sand“ in Worms und der „Judensand“ in Mainz (Foto) als prägende Stätten des SCHum-Welterbes sowie der „Historische Friedhof“ mit der „Fürstengruft“ in Weimar als zentraler Ort des Welterbes „Klassisches Weimar“.
Zu den Titelträgern zählt auch der „Jüdische Friedhof auf dem Pfingstberg“ in Potsdam, der auf der Welterbeliste der „Schlösser und Parks von Potsdam und Berlin“ steht. Erst jüngst hinzugekommen sind drei Friedhöfe in den Welterbegebieten „Bedeutende Kurstädte Europas“: der „Kapellenfriedhof“ und der „Jüdische Friedhof“ in Bad Kissingen sowie der „Hauptfriedhof“ in Baden-Baden.



