Schauspiel
Al-Sirah Al-Hilaliyyah - Das Banu Hilal Epos
Spinnbau-Große Bühne, Altchemnitzer Str. 27, 09120 Chemnitz, 22.06.2026
- Datum
- Montag, 22.06.2026 - Dienstag, 23.06.2026
- Uhrzeit
- 19:00 Uhr
- Ort
- Spinnbau-Große Bühne, Altchemnitzer Str. 27, 09120 Chemnitz
Am 23.06. beginn 20:00 Uhr
Am 20.06. beginn 21:00 UhrMit eleganter Leichtigkeit gleiten gewaltige Schlachtrösser durch die Luft, gigantische Vögel ziehen ihre Kreise über Büsche, die wie eine Armee durch die bizarr schöne nordafrikanische Berglandschaft marschieren. Musik, Gesang und hinreißend rhythmisch skandierte Textpassagen in arabischer Sprache treiben die Vorrückenden an.
Mit nur sieben Spieler:innen setzt der palästinensische Autor und Regisseur Bashar Murkus ein quirliges und farbenfrohes großes Welttheater in Bewegung. Das kleine und entschlossene Theater Khashabi aus Haifa bringt mit Al-Sirah Al-Hilaliyyah ein großes Epos auf die Bühne. Diese Wiederentdeckung ist für die Künstler:innen ein wesentlicher Bestandteil ihrer zeitgenössischen Arbeit an der arabischen Theaterkunst.
In Al-Sirah Al-Hilaliyyah wird die Geschichte der Migration der Banū Hilāl Beduinen von der Arabischen Halbinsel nach Tunesien in Nordafrika erzählt. Aus der Vielzahl der Figuren seien einzig hier erwähnt: Abu Zayd al-Hilali, ein verstoßener Adliger, Anführer auf dem langen Weg, und Al-Jaziyya, eine einflussreiche Frau, die der Truppe politischer und moralischer Kompass ist. Für die kulturell sehr unterschiedlichen und territorial weit zu fassenden arabischen Volkstraditionen ist es das einzige Epos, das zu Hochzeiten oder privaten Feiern noch in seiner ursprünglichen musikalischen Form aufgeführt wird, begleitet von der Stachelgeige Rabab oder einem Perkussionsinstrument.
Am 21.06. beginn 18:00 UhrEin Liebespaar, ein Geschwisterpaar, drei Menschen, ein Ping-Pong-Tisch. Das erstaunliche Setting in Family Triangle, einem Familiendreieck, will die Grundlagen von Familie neu verhandeln: Familie ist etwas, das entsteht, nicht etwas, das feststeht. Beziehungen werden in diesem Bühnenexperiment nicht behauptet, sondern ausprobiert, verschoben und neu sortiert.
In vielen Ländern der Welt sind queere Lebensformen nichts Ungewöhnliches. Der menschliche Wunsch nach eigenen Kindern hingegen, und insbesondere der Weg dahin, stellt viele Paare oft vor rechtlich und kulturell komplexe Situationen, obwohl die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare vielerorts anerkannt wurde. Fragen nach Elternschaft, Reproduktion und rechtlicher Absicherung queerer Familien bleiben dennoch gesellschaftlich und politisch umkämpft. Die Inszenierung nimmt diese Realitäten ernst, ohne sie zu problematisieren. Stattdessen öffnet das Stück einen Raum, in dem unterschiedliche Formen von Familie nebeneinander denkbar werden.
Winter 2005 in den chilenischen Anden. Eine militärische Übung, schlecht vorbereitet, schlecht ausgerüstet. Bei einem Marsch am Vulkan Antuco sterben 44 junge Rekruten und ein Unteroffizier an Kälte und Erschöpfung. Was bleibt, sind Leere, Wut und Unverständnis im ganzen Land.
Die Gruppe Silencio Blanco aus Santiago de Chile wählt bewusst diese tief nachwirkende Tragödie für ihr Stück. Nicht das erschütternde Manöver wird thematisiert, sondern das, was danach kommt: das Warten, das Zurückbleiben, der Alltag der Familien. Der Situation angemessen, entwerfen die Künstler:innen ein konzentriertes Figurentheater, ohne ein einziges Wort.